Heim.at

Was folgt, ist überhaupt nicht politischer Natur.

Aus gegebenem Anlass möchte ich hier wieder einmal schriftlich festhalten, wie sehr ich Österreich liebe. Rein von der Gegend her. Vom Apfelstrudel her. Aber auch menschlich. Den ganzen gscherten, gemütlichen, bürokratisch anstrengenden, sturen, patzigen, geschichtsträchtigen, komplexgeladenen, schmähgesegneten, leiwanden Haufen.

Vielleicht tritt diese innige Liebe während Sisyphusdiskussionen mit dem Zollamt Linz (eine Asterixgeschichte für ein ander Mal …) oder angesichts heimkehrender All-Inclusive-Urlauber beim Umsteigen in den Flieger Richtung Wien in Dubai nicht so deutlich zutage. Es reißt einen halt nix so effektiv aus dem Jet-Set-Weltenbürger-Feeling, wie ein Urwiener Opa, der zu seinem Urwiener Enkelkind im Bereich von Gate 21 dieser hochmodernen, weltraumstation-esken sensorischen Überforderung von Flughafen sagt:

„Kumm, gemma gach no Lulu.“

Und das Urwiener Enkelkind deutet auf das über zwei Sitzreihen aufgetürmte Handgepäck und die Duttefri-Einkäufe und fragt ängstlich-aufmüpfig „Und Diiiiebäää?“, worauf der Urwiener Opa versichert: „Gibts ka.“ — Die Paranoia! Und zugleich die Lässigkeit! Dieses selbstverständliche Wissen um tausende Regeln, aber, schau her, auch tausendundzwei Ausnahmen! Alles bombenfest in meiner DNS verankert. Abstreiten sinnlos, besser gleich damit prunken.

Jetzt trete ich genau diese Reise bald wieder an und blicke ihr mit der üblichen entsetzten Begeisterung entgegen. Und ich komm halt nicht umhin, zu überlegen, wie mein Österreich dann so sein wird, wenn ich mich in knapp drei Wochen wieder mit der üblichen Leichtigkeit einer Gnackwatschn ins Stammesleben integriere.

Man kennt das ja, wenn man einmal ein bissl Abstand genommen hat – ich hab das nach einem Jahr in den USA zum ersten Mal ordentlich verstanden, aber so weit oder überhaupt buchstäblich geographisch weg muss man dazu gar nicht – dann sieht man oft auf einmal das große Ganze viel deutlicher. Was mir momentan oft auffällt, ist, dass es immer mehr Leute gibt, die meinen, es gibt kein großes Ganzes, man müsse sich entscheiden. ENTWEDER oder halt ODER. Verlierer oder Gewinner. Oben oder unten. Mittelding oder vielleicht sogar beides in Harmonie zugleich: unmöglich.

Wir lachen über die Amerikaner, die momentan offenbar nur mehr schwarz oder weiß kennen, über Donny, den kleinen orangenen Helmi mit seinen exotischen Vorstellungen von eh eigentlich allem. Wir sehen, dort drüben gibts offenbar keine herrlichen, fantastischen Graustufen, nix Mittelweg, nix sachlicher Diskurs oder alle zusammen unaufgeregt Lösungen suchen und den ganzen anderen utopischen Scheißdreck. Aber zugleich lassen wir uns selber genauso spalten. Seit wann sind denn radikale Bekenntnisse (egal, ob radikal schwarz oder radikal weiß*) zu Ausdrücken einer Form von Stärke oder Standfestigkeit oder gar Intelligenz geworden? Bullshit, sag ich da, so machen wir uns das doch wieder einmal ein bissl zu einfach. Es ist durchaus möglich, etwas (sogar bedingungslos) zu lieben und zugleich daran schrauben und werken zu wollen.

Also. Wenns allen recht wär: liebt einander, helft einander, hört einander zu. Spottet nicht über einander, seid achtsam, seid wachsam, involviert nicht des anderen Bildungsniveau in Diskussionen, nehmt einander ernst. Aber alles insgesamt nicht zu ernst, weil memento mori.

*Farbauswahl ist je nach Situation anzupassen

4 Gedanken zu „Heim.at

  1. Papa

    Danke Nini !
    Ja , auch mir geht dieses „Entweder- Oder“ auf den Nerv. Das Ergebnis ist Lagerdenken !
    Aber wir freuen uns all dies bald bei einem(?) Achterl auf der Terrasse nächtens besprechen zu können ! Urösterreichisch !
    Bis bald
    Papa

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  2. Heide

    Auf einen Nenner gebracht: der Respekt ist verloren gegangen und jeder A**** traut sich zu schreiben und zu sagen was er denkt!
    Mama. Papa, Schwester, Bruder, Cousinen und Cousin, Onkeln und Tanten freuen sich auf deine Heimkehr.
    Alle die dich gern haben →→→ sind voll Vorfreude.
    Busserl
    deine alte Tante

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  3. Fuchsberger Maria

    what shalls – Hauptsache wir bekommen regelmäßig Luft.
    Freuen uns schon auf Expertendiskussionen mit dir in Sauerfeld – im Gebirge.
    Bussal
    deine junge Tante

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