Über Fernbeziehungen der anderen Art

Beim Thema Fernbeziehung ist das Assoziationswort vieler in der ersten Sekunde vielleicht einmal „Schockhorror“. Zudem denkt man da meistens an die Beziehung über verschiedenste Distanzen hinweg von Liebespärchen in den verschiedensten möglichen Kombinationen.

So.

Aber darum gehts heute nicht. Erstens kann ich als alter Glass-halb-voll-Argumentierer auch der Fernbeziehung – wage ich es zu sagen – das Eine oder Andere abgewinnen. (Ja, und auf meinen Grabstein jetzt dann bitte irgendwas von Whitman. Aber eigentlich würd ich gern in einem dieser Pods begraben werden, aus denen dann ein Baum wächst. Super, danke.) Zweitens gehts heute um die Fernfreundschaft. In diesem Fall genauer: die Frauenfernfreundschaft.

Gleich vorweg, meine Nichtfrauenfernfreundschaften stehen meinen Frauenfernfreundschaften natürlich in nichts nach. (Angesprochene mögen sich wie immer angesprochen fühlen, wenn sie vielleicht dann kurz aus den sie umragenden Styroporkugerlhaufen und dergleichen aufgetaucht sind, um das hier zu lesen.) Aus gegebenem Anlass möchte ich aber diesmal die Nichtfrauen kurz beiseite lassen.

Ich in meinem Fall widersetze mich übrigens kräftig diesem Begriffskonzept von „meine Mädels“. Vielleicht hab ich da gerade wieder eine konnotative Störung. Aber meine Freundinnen sind weder meins noch Mädels, sondern eine Handvoll eigentlich recht unterschiedlicher Frauen, ohne Ausnahme gscheite, witzige, in jederlei Hinsicht sehr bunte und starke, mit denen mich eine – meiner Auffassung nach – ziemlich lässige, bullshit-reduzierte, respektvolle Freundschaft verbindet. Sie sind allesamt wahnsinnig, das steht außer Frage, bin ich ja auch – aber keine Trutschis, auch nicht „stutenbissig“ (ach, da hätt ich ja wieder so viel zu sagen zu diesem bescheuerten Adjektiv) oder in sonst irgendeiner Form negativ anstrengend. Das ist schön.

Wenn man weit wegzieht und die Entourage nicht gewillt ist, ihr gewohntes Leben sofortigstens aufzugeben und mitzukommen (ich verstehs eh, passt schon) und auch aufgrund Realität und so über keinen Beamer verfügt, hinterlässt man gezwungenermaßen auch viele der Frauenfreunde, die man im Laufe seines Lebens so kennen und schätzen gelernt hat. Ich hab zwar keineswegs befürchtet, dass ich ab der Sekunde, in denen in Schwechat mein Gate schließt, nie wieder von denen höre, immerhin ziehen in meinem Umfeld ständig irgendwelche Liebgewonnenen ans andere Ende der Welt und es ist nicht das Ende der Welt. (Au.) Aber trotzdem kann es auf gut Deutsch a gscheiter Schaß sein, wenn einem ab und an bewusst wird, dass man sich im Ernstfall nicht einmal schnell ins Auto oder den Zug setzen könnte, geschweige denn aufs Radl.

Nach fast zwei Jahren weg weiß ich aber umso genauer, wie lässig diese Frauen sind, weil sich vieles verändert hat und dabei alles genau gleich geblieben ist. Keiner von ihnen wäre es bislang eingefallen, eine gute Freundschaft mit Kontaktquantität oder geographischer Nähe gleichzusetzen oder mich von der Teilnahme an den komplexen Sinnfragen ihrer Existenzen auszuschließen, nur weils bei mir schon Montag in der Früh ist und bei ihnen erst der Sonntagabend. Sogar der kollektive Weinkonsum funktioniert einwandfrei, sofern sie am Freitag bzw. Samstag lang genug durchhalten und ich am Samstag rechtzeitig anfang.

Sowieso, mir fehlt oft der intellektuelle, semi-intellektuelle und, ja, besonders auch der mehr un-intellektuelle gegenseitige Stimulus in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Und die sarkastischen Apartes kommen auch nicht immer so gut rüber, wenn sich zwischenzeitlich Whatsapp dreimal aufgehängt hat oder dich, aus welchem Grund auch immer, nur genau 9 Sekunden Sprachnachricht auf einmal aufnehmen lässt. Allerdings machen wir das, finde ich, auch über diverse moderne Kommunikationsmittel trotzdem recht gut. Nur meine Frauenfernfreunde (beziehungsweise ihre jeweiligen Abkömmlinge) fest drücken, mit allen auf ein spontanes Kaffeetscherl gehen oder in einem unbeobachteten Moment von ihrem Eis kosten, das geht dann doch nicht so gut. Momentan halt.

Ein Hoch auf euch. Schönes Wochenende. :)

Ein Gedanke zu „Über Fernbeziehungen der anderen Art

  1. Leon und Lukas

    Sehr intellektuell und auch tief- (nicht doppel-) sinnig.
    Auch „da unten“ vergeht die Zeit ….!
    Danke für den „Schreib“ ! Macht glücklich zwischen deinen Zeilen zu lesen ! Oder wäre es das Schwarze was zu studieren wäre ?
    Liebe Grüsse von „upon above „

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