7 österreichische Angewohnheiten, die ich in Australien verlernt habe

Seit knapp 8 Monaten bin ich jetzt „unten drunter“ und meine Lernkurve ist steil, sehr steil. Man lese.

 

Busserl für alle

Obwohl ich eh gar nicht so der Typ Bussi links, Bussi rechts bin (vor allem nicht beim Verabschieden oder in großen Menschenmengen — da wird man ja alt!), finde ich die österreichische Busserlkultur doch irgendwie ganz lieb. Vor allem aber, dies erkannte ich mit Bestürzung, ist diese Angewohnheit irrsinnig schwierig abzulegen. Immer noch muss ich oft diesen Reflex unterdrücken, der mich meine Backenknochen in die meiner Bekanntschaften rammen lassen will. Das daraus resultierende, mehrere Sekunden dauernde Straucheln sämtlicher motorischer Fähigkeiten wird wohl nur wer verstehen, der aus einer Busserlkultur kommt.

In gewissen Situationen erst einmal schauen, ob das Gegenüber es wert ist, dass man sich namentlich vorstellt oder anderweitig als irgendwas/irgendwer outet

Das klingt eigentlich furchtbar arrogant, aber im Prinzip ist die österreichische Reserviertheit doch nur eine Form der Höflichkeit bzw. des Selbstschutzes. Immer erst ein bisserl schauen, sich Zeit für versteckte, misstrauische Seitenblicke nehmen, keinesfalls hudeln, denkt sich der Österreicher, der genau weiß, dass er sonst Opfer einer Patzigkeit werden könnte. Bereitschaft zur Patzigkeit, besonders gerne auch im Schutz einer Gruppe, ist eine österreichische Volkskrankheit. Bestes Beispiel ist ein Österreicher-Stammtisch in Melbourne, zu dem ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal gegangen bin. Im Endeffekt sehr nett, aber die erste Begegnung verlief folgendermaßen:

Ich: „Entschuldigung, seids ihr vielleicht der Österreicher-Stammtisch?“

Unbekannter Österreicher, umringt von weiteren unbekannten Österreichern: „Naa, da Deitsche-Stammtisch.“

Australier hingegen haben, zumindest im Bereich erste Bekanntschaften und freundlicher Smalltalk, wesentlich weniger Probleme damit, offen und patzfrei auf andere zuzugehen. Das freut mich, so kann ich besser ich sein.

An Samstagen um 17.59 triumphierend Klopapier und Milch kaufen

Einfach nicht mehr nötig, denn das kann man in Australien auch am Sonntag kurz vor Mitternacht noch. Das nimmt einem leider aber auch irgendwie diesen gewissen Kick, den man verspürt, wenn sich die Schiebetüren beim Spar doch noch öffnen und man sich und sein Einkaufskörberl im letzten Moment hineinwirft.

Schnell, spontan und günstig mit dem Zug ans andere Ende des Landes fahren.

Geschweige denn in ein anderes Land.

Fenster, Türen und Jalousien* offen lassen

Genau genommen habe ich diese Angewohnheit nicht abgelegt. Vielleicht bin das einfach auch nur ich. Vielleicht habe ich einfach immer entweder so hoch oben oder so fernab von jeder Zivilisation, oder beides, gewohnt und hege deshalb eigenartige Vorstellungen von Privatsphäre. Vielleicht ist es auch ein besonderes Merkmal des Lebens in einer Großstadt im Allgemeinen, dass Eingänge und Fenster stets nicht nur geschlossen, sondern auch verhangen sein müssen. Ich bin da halt anders. Ich mag es, wenn Luft und Sonne ins Haus kommt und mir ist gelinde gesagt auch herzlich wurscht, ob mir die Nachbarn dabei zuschauen, wie ich staubsauge und mein Küchenbasilikum stutze.

Nur einen Kaffee to go pro Tag trinken

Melbourne ist die Hauptstadt des Kaffees. Nicht Rom, nicht Bogotá. Melbourne. Es gibt hier Kaffee an jeder Ecke und nicht irgendein Gschloder, sondern richtig guten Kaffee in jeder dem gelernten Hipster bekannten Variante. Und das zu einem vernünftigen Preis — gut, ich hab sehr lang in Salzburg gewohnt, ich glaub ja auch, dass 3,50 ein vernünftiger Kaffeepreis ist. Wie dem auch sei, der Kaffee ist gut, preiswert und überall zu haben. Auch das freut mich.

Davon ausgehen, dass ich meinen Hund überall mitbringen darf

Kürzlich hätte ich beinahe meinen Arbeitshund in ein Café mitgenommen, ohne großartig darüber nachzudenken. Beim Anblick eines anderen Hundes, der vor dem Lokal angebunden war, wurde ich erst stutzig. Weil aber das Wetter schlecht war, wollte ich zumindest nachfragen, bevor der arme Max umsonst im Regen warten musste. Der Blick des Bartträgers hinter der La Marzocco lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Der arme Max muss in Australien auf jeden Fall im Regen warten. Dieses traurige Schicksal teilt er natürlich, man hat es fast schon vermutet, mit Rauchern.

* Nein, Hubi, damit meine ich nicht ein Computerprogramm.

9 Gedanken zu „7 österreichische Angewohnheiten, die ich in Australien verlernt habe

  1. Pingback: 7 Austrian Habits I lost in Australia | der panierte passierschein

  2. schokokamel

    Haha sehr gut, das passiert mir mit meinen typisch deutschen Angewohnheiten hier in Holland auch mehr und mehr :D Irgendwie gewöhnt man sich in jedem Land, in dem man mehr als ein paar Wochen verbringt Dinge an, die dann im nächsten Land wieder abgewöhnt werden, weil die Kultur einfach anders ist :) Und das mit den offenen Gardinen – komm mal hier nach Holland. Generell kann man hier durch Häuser durch gucken (also ins Wohnzimmerfenster hinein und hinten wieder raus in den Garten) – etwas gewöhnungsbedürftig :D

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  3. motessa

    sicher ticken wir Schweizer nicht gleich wie ihr Österreicher, und wir (als Familie) hatten es mehrheitlich mit Amerikanern zu tun, aber das Händeschütteln beim verabschieden habe ich mir abgewöhnen müssen – und es sehr vermisst! Lustig, was einem so auffällt, wenn man in einer anderen Kultur für längere Zeit lebt.

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  4. Fuxis

    Hi Kathi !
    Das mit den Busseln ist so eine Sache. Andere Länder – andere Sitten.Wenigsten busseln wir in Österreich nur links und rechts, wenn die Schweizer kommen, müssen sie uns auf das 3. Busserl immer hinrennen.
    Also – viele Bussal von Tante Maria und Onkel Peter und alles Gute zum Geburtstag, in deinem Lieblingsmonat am 19. April.

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