The Great Ocean Road, oder: Oh, What Are Men Compared to Rocks and Mountains?

Meine Knackenten!

Was ist eigentlich aus Confetti geworden, weiß das wer? Egal.

Viel Zeit ist vergangen seit meinem letzten Post. Babies wurden geboren. Der Hochsommer zog ins Land, zumindest kalendarisch, und dann wieder aus dem Land. Ich bin mehreren mittel- bis sehr großen Spinnen, aber noch immer keiner Schlange begegnet. Ich konnte erneut keinen Literaturnobelpreis abstauben, oh, aber gebt mir nur Zeit! Dafür hab ich ein paar Übersetzungsprojekte und andere Schreibereien zu Ende gebracht und freue mich, wie wohl und immer wohler ich mich dabei fühle. Das rechts-links-rechts an Straßenkreuzungen mache ich mittlerweile wie ein Pro und in der Anonymität des örtlichen Obststandls schleicht sich ab und zu ein feiner australischer Akzent in mein Englisch. Dann sag ich manchmal, wenn ich den Kilopreis für die Biobananen akustisch nicht verstanden habe, paaahdon? Dürfte aber im Moment noch reversibel sein.

Am wichtigsten aber: meine allerliebste Freundin Fiona hat mich für 3 Wochen in Melbourne besucht. Über die nächsten paar Posts werde ich ein paar der kleinen Trips dokumentieren, die wir unternommen haben und ein bissl über diese schonungslose, verschwenderische, einem permanent seine eigene Winzigkeit verdeutlichende Schönheit Australiens philosophieren, in Form von Bildern und ein bissl Text. Los geht es mir der Great Ocean Road, in etwa das australische Pendant zum Pacific Coast Highway in Kalifornien.

Das Gute an Fiona-Kathi-Expeditionen ist die Arbeitsteilung. Eine navigiert, eine fährt. Eine hat den Plan und den Durchblick, eine nicht. Beide haben die gleichen Vorstellungen, was die Häufigkeit von Kaffeepausen und Essen angeht.

Wer schon einmal mit mir in meinem 1994 Mazda 323 Kombi gesessen ist oder einem meiner Mähdrescher-Überholmanöver auf der Zwettler Geraden beiwohnen durfte, weiß, ich bin keine Offenbarung der Transportkunst. Was gibt es also Besseres, als sich mit mir erst in den Melbourner Großstadtverkehr und anschließend auf eine kurvige Küstenstraße mit zig landschaftlich malerischen Ablenkungen zu werfen? Fiona und ich sind uns zur Hälfte einig: nichts.

Nachdem wir es unter freundlichen Hupgrüßen mit Sack und Pack – was man halt so braucht für einen ordentlichen Road Trip – aus der Stadt hinausgeschafft hatten, legten wir unseren ersten Stop an einem wunderbar menschenleeren, somit aber leider auch surfer-dude-leeren Bells Beach ein.

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Bells Beach
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On the road

Von dort ging es mit einigen Strand- und Aussichtspausen weiter in den feschen kleinen Küstenort Lorne, zu unserem ersten Versorgungscamp. Sprich einer Burgerbude, The Bottle of Milk, wo wir uns den besten Schwammerlburger in der Galaxie einverleibten.

Von Lorne kurvten wir, Burger und den obligatorischen Latte intus, hinauf zu Teddy’s Lookout, einem genialen kleinen Aussichtspunkt, wo Fiona Freundschaft mit einer frechen Elster schloss (die natürlich überhaupt keine Elster war, gibts ja keine in Australien, sondern ein Flötenvogel, na, zum Glück komm ich aus keiner forstlich angehauchten Familie, sonst wäre das jetzt peinlich …) und ich mich an der wilden Endlosigkeit des Ozeans erfreute. Natürlich ohne Schuhe, sonst gehts nicht gscheit.

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Teddy’s Lookout
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Fiona und ihr Magpie-Freund

Als nächstes hieß es dann Ausschau halten nach zwei Dingen: nach unserer Unterkunft für die Nacht und nach Koalas. Die Koalas entdeckten wir in Kennett River, einer winzigen Gemeinde direkt an der Great Ocean Road. Dort saßen zwei in ihrem jeweiligen Baum und machten, koalatypisch, herzlich wenig, außer lieb ausschauen und ab und zu ein bisschen kauen.

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Latte art ist überall
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Fiona und ihr Koalafreund

Unsere Unterkunft war ein altes ehemaliges Kloster am Meer. Die Fiona und ich mögen ja Tischmanieren haben wie Prinzessinnen, aber was Quartiere betrifft, sind wir  mehr vom Typ Totalspartaner. Hauptsache sauber. In unserem genialen Kloster angekommen, wollte ich natürlich sofort für immer einziehen, im autarken Gemüsegarten mitarbeiten und bei der Kirchenrenovierung helfen, aber Fiona, die Stimme der Vernunft, erinnerte mich: wir hatten ja noch viel vor. Wir ließen also unsere Taschen in der Unterkunft und fuhren noch ein paar Kilometer weiter die Küste entlang bis nach Apollo Bay, für Fish & Chips und ein illegales Strandbier mit unseren Möwenfreunden.

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Unser Klosterfensterblick
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Apollo Bay

Am nächsten Tag brachen wir früh auf und frühstückten gebührlich im Auto an einem kleinen Aussichtspunkt, an dem wir zufällig vorbeigefahren waren. Ich sogar ohne Kaffeeverschütten, dafür erlitt Fiona leichte Verletzungen bei einem Avocado-Schälunfall.

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Frühstück
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mit Ausblick

Dann fuhren wir, ich schon recht kühn am Werk in Sachen Gangschaltung, da in relativ vertrauter natürlicher Umgebung, durch die mystischen Wälder des Otway Nationalparks in Richtung 12 Apostel, nicht ohne einen Abstecher in einen genialen kleinen Tierpark auf dem Weg, damit die Fiona endlich den Punkt „Känguru streicheln“ von ihrer To-Do-Liste nehmen konnte.

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12 Apostles eine Richtung
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12 Apostles die andere Richtung

Die 12 Apostel sind riesige Kalksteinfelsen, die durch die Erosion der Klippen rund um sie irgendwann einfach ganz einsam im Meer stehen geblieben sind. Wir und viertausend Asiaten: restlos begeistert. Von den Aposteln ging es weiter zu diversen Grotten und Schluchten entlang der Küste, der Touristenstrom verlief sich bald. Unser Favorit war definitiv Loch Ard Gorge, eine beinahe menschenleere Bucht, wo wir ein bisschen zum Sonnentanken blieben.

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Fiona vs. Gibson Steps
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Loch Ard Gorge

Nach einem chilligen Nachmittag in Port Campell wandten wir uns dann wieder heimwärts, diesmal auf der Inlandsstrecke durch Kilometer über Kilometer an Farmland. Ich glaub, in Australien kommen auf jeden Bürger so ungefähr Pi mal Daumen, summa summarum genau eine halbe Milliarde Kühe.

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Abendsonniges Melbourne

Und im nächsten Kapitel: Fiona und Kathi treffen eine große Spinne in Sydney.

8 Gedanken zu „The Great Ocean Road, oder: Oh, What Are Men Compared to Rocks and Mountains?

  1. Paleica

    ob ich das kapitel mit der spinne unbedingt lesen will weiß ich noch nicht, über diesen text deinerseits hab ich mich sehr gefreut. wundervolles lesevergnügen und 12 apostles in die andere richtung sind der hammer. ich musste beim ausblick sofort an big sur denken. nice one.

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    1. rockelfe

      ich bin wieder ganz schnell die tage mit dem beantworten der lieben kommentare … :D
      vielen dank! und der vergleich mit big sur ist absolut spot-on … ich hab eine zeit in kalifornien gelebt und finde, dass australien überhaupt eine ziemlich gelungene mischung zwischen europa und kalifornien ist, was natur, menschen und generellen lebensstil betrifft. wenn halt die spinnen nicht wären … :) viele liebe grüße!

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      1. Paleica

        macht nix ;) gibt halt manchmal wichtigere dinge ^.^ ja ich kann mir gut vorstellen, dass das eine tolle komposition wäre. aber diese verfluchten achtbeiner. kein wunder, dass man die gruselig findet, man könnte 2 tiere draus machen!

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  2. Peter u. Maria

    Hallo Katharina !
    eine freude, deine berichte zu lesen. Alles gute und liebe grüsse aus dem lungau mit heftigem schneefall.
    tante

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  3. Pingback: The Great Ocean Road, or: Oh, What Are Men Compared to Rocks and Mountains? | der panierte passierschein

  4. Heide

    Liebe Katharina!
    Wo ist dann Gutenbrunn angesiedelt, ganz vorne oder dazwischen?
    31.03. 2015 und Schneefall im Waldviertel, der Osterhase hat es schwer.
    Ganz lieb grüßt dich und Chris
    T. Heide

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  5. Pingback: P. Sherman, 42 Wallaby Way … | der panierte passierschein

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