Ein Liebesgedicht, sort of

Wie mein verehrter Walt Whitman Leaves of Grass veröffentlicht, spöttelt jemand, er nehme Whitman das Verfassen des Werks ja nicht übel, wohl aber, dass er es nicht gleich verbrannt habe.

Wer „Song of Myself“ gelesen hat, kann erstens vielleicht das Banner dieses Blogs (und die Jugendsünden meiner Armbeuge ;)) literarisch zuordnen und zweitens verstehen, wo meine halbarscherte bis gar nicht vorhandene Beziehung zum klassischen Versmaß herkommt. Ich liebe Whitman, ich liebe seinen Stil. Dies ist zwar eine Liebeserklärung an etwas ganz anderes, aber gleichzeitig eine kleine Hommage an den Mann, der ein Gedicht ÜBER ALLES schreiben wollte und es geschafft hat.

(15.10) nummer eins*

hohe räume
alter ofen
dächer voll mit moos.

kalt im winter
aber licht in jedem fenster
baum
so hoch.

alte stiegen, rutschgefahr
(vor allem in wollsocken)
dachboden, zwischenboden,
keller streng geheim
und anders schön zu jeder zeit.

der frühling kommt, ich riech ihn schon
buschwindröschen, buschwindröschen
blumen am balkon.

reichen runter bis zum boden
blumen am balkon.

schwalben jeder art und weise
viele bei uns, schau
schwalben jeder art und weise
fliegen ein und aus

warm in der sonne, sonne im holzdach
maschinen, autos starten
fahren vorbei, am motor nur erkenn ich euch

alte mauern, viele geschichten
zu sehen an jeder wand
sonnenlicht durch große fenster,
schwere klinke in der hand.

gute luft, kühle halle,
schwingtür auf, daheim

wildschweinkasten, spiegelblick
der bus ist da
schwingtür auf und los!

sommergewitter, wild wie wir
regen, alles dampft
das wasser hoch
wir helfen.

und wir feiern.
bier holen, marmelade holen, kartoffel holen

und raus

liebstöckl und rhabarber, petersil, schnittlauch –
messer verschossen

der sommer da, bringt bienen mit
gestochen, doch
da fährst du für mich drüber
liebevollste kinderrache

rasenmähen, löwenzahn retten, ahorn wachsen sehen
rosen düngen, hirschmann hilft, alles wachsen sehen

ameisen in der sandkiste
pferde unter birkenbäumen
wasser nicht vergessen

ein sternenbett, ein rückzugsort
platz, platz
freie hand so gut genutzt
kaffee gekocht, ein kuchenduft, gesellschaft da

viele kinder,  alle kinder, gesetz der kinder
barfuss wie immer

lindenblatt, lindenstamm, lindenhaus und lindenherz
kirchenglocken, blätterfarben, das blätterlichlicht des herbsts ist da

kühle nächte, ofenruß,
ohne schuhe heizen gehen

die mäuse werden mehr

kalt im winter
aber licht in jedem fenster

*Stellenweise im Lauf der letzten Jahre ein wenig bearbeitet.

Wo fängt die Heimat an? Und was ist vorher da? Rubrik: Sinnierungen, Studierungen, Panierungen …

Wo fängt die Heimat an? Und was ist vorher da?
Wo fängt die Heimat an? In den Adern, in den Augen?*

Das fragen sich die Querschläger, eine Band aus dem Lungau, die sich in einigen Liedern, stets unter Wahrung der kritischen Eloquenz, die man an ihnen schätzt, mit dem Thema Heimat auseinandersetzt. Weiterlesen

wir sind

wir sind

kleeblütenrosa, winterkrähenschwarz

vogelbeerrot und

zwetschkenviolett

nebelhexensilber, herbstbuchenorange

moorteichbraun und

heidelbeerblattgrün

sonnfichtengold, hundstagshimmelblau

mondsichelgelb und

buschwindröschenweiß

Durch den Zoll: Chaotenedition

Jetzt hab ich hier kürzlich groß herumerzählt, dass ich im nächsten Post den Trick 17 zur Vermeidung von Problemen aller Art beim Flughafenzoll mit der Öffentlichkeit teilen werde. Dann hab ich darauf vergessen, mich jetzt aber wieder erinnert und gleich im Anschluss an diese herrliche Anmoderation wird das Geheimnis meiner vielen erfolgreichen Zollbewältigungen gelüftet.

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