Schauplatz Wien Ottakring: Rendezvous mit Hörtest

Wie an anderer Stelle vielleicht bereits kurz erwähnt, darf nicht jedermann nach Australien einreisen und da leben und arbeiten, nur weil ihm gerade der Sinn danach steht. Abhängig von einer Reihe an naturgegebenen und selbst erwählten Faktoren (wie etwa Regnum, Staatsbürgerschaft, Gesundheitszustand, sozialer Status, Stand, chinesischer Großinvestor oder nicht et cetera) gestaltet sich ein solches Vorhaben mehr oder weniger interessant.

Insgesamt gibt es vier große partnervisumstechnische Meilensteine:

1) Man schickt seinen Krempel an die Immigrationsbehörde
2) Man absolviert seinen Gesundheitscheck
3) Man erhält ein temporäres Visum und erwirbt hilfreiche Rechte, wie etwa das Einreise- und Arbeitsrecht
4) Man erhält bis zu zwei Jahre nach Erlangen des temporären Visums ein fixes Visum

Schritt 1 und 2 habe ich schon erfolgreich absolviert. Schritt 3 noch nicht, bin aber trotzdem schon da, weil nicht ganz orthodox mit einem Touristenvisum eingereist. Ende November muss ich schnell für drei Werktage ausreisen, um dieses Touristenvisum zu erneuern oder aber das bis dahin vielleicht hoffentlich genehmigte temporäre Visum zu aktivieren. Schnell für drei Werktage ausreisen. Tu felix Austria.

Zu Schritt 2 stelle man sich vor: ein sonniger Frühsommertag im 16. Wiener Gemeindebezirk. Kathi schon seit einer Straßenbahnhaltestelle, drei staubigen Querstraßen und acht Kebabstandeln auf der Suche nach der Ordination dieser einen einzigen Ärztin in ganz Österreich, die für sämtliche Visumserhoffende für Neuseeland und Australien verantwortlich ist. Die Dame ist eh nicht zu beneiden, genauso wenig wie die Röntgenärztin, die sich am Vormittag desselben Tages schon durch meinen Stapel an Unterlagen gekämpft hat. Endlich stehe ich vor einer Tür in einer Seitengasse, bissl dubios, aber der Name auf dem Klingelschild passt und die von der Organmafia würden sich ja nicht so präsentieren, oder, also nichts wie rein. Ich läute daher, die Stimme am anderen Ende bittet mich in den Innenhof. „Da gehen’S durch den Garten durch bis ans Ende. Und drinnen müssen’S noch einmal läuten, bitte.“

Gesagt, getan. Im Garten treffe ich noch ein paar lokale Kleinkinder. Endlich im richtigen Stock angekommen, erwartet mich in einer Ordination, die ein wenig Zweitwohnsitz-Flair versprüht, eine recht sympathische, aber irgendwie doch verwirrt wirkende Ärztin, deren Handy in den ersten fünf Minuten zigmal scheppert, bis sie es dann auf lautlos stellt und mir gleich einmal die entsprechenden Scheine abknöpft, die diese Untersuchung kostet. In bar, wie explizit bei der Terminvereinbarung abgemacht.

Aber dann geht es auch schon los. An die Reihe kommt alles und damit meine ich alles. An Details werde ich jetzt sparen, nur den Hörtest (nicht die Sinnfrage stellen) möchte ich doch nicht unerwähnt lassen. Bei den Worten „So, nun zum Hörtest“ habe ich zugegebenermaßen Ausschau nach einem dieser Piepserlautomaten gehalten, an die ich mich vage aus der Kindheit erinnern kann, aber weit gefehlt und nur halb so schlimm: der Hörtest beschränkt sich darauf, dass mir meine liebe botschaftsgenehmigte Ärztin aus botschaftsgenehmigter Entfernung in „Flüstersprache“ Zahlen zubrüllt, die ich – weil mad skillz – auch richtig verstehen und wiederholen kann.

Dann noch eine kurze Blutabnahme, im Verlauf derer mir die gute Frau, nachdem Sie sich mehrmals erkundigt hat, ob ich eh Blut sehen kann, alle möglichen Horrorgeschichten aus langen Jahren Blutabnahmeerfahrung schildert. Damit kann man mich aber nicht schockieren, bekanntlich fürchte ich mich nur vor Blutdruckmessgeräten, nicht aber vor langen Nadeln und sprudelndem Blut.

Sowie Sie fertiggezapft hat, kommt zum krönenden Abschluss noch die Frage „Sie haben eh nur diese ganzen Tätowierungen, die ich auch sehen kann oder sonst auch noch welche?“

Ich (in Unterwäsche) nicke eifrig und schuldbewusst: „Nur diese ganzen, die Sie auch sehen können.“

Die, die einen Monat später dazugekommen sind, hab ja nicht einmal ich noch sehen können, also, vor dem nichtgeistigen Auge. Damit haben wir dann aber auch wirklich alle Fronten abgeklärt und ich darf wieder in den Zug nach Salzburg steigen.

Stay tuned für Kathis Trick 17 zur Vermeidung böser Überraschungen beim Zoll im nächsten Post.

Schönes Wochenende Euch allen aus Melbourne bei 10 Grad in der prallen Sonne, wenn kurz nicht der Wind geht! :)

3 Gedanken zu „Schauplatz Wien Ottakring: Rendezvous mit Hörtest

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