Se Austrian Ämbassy Vienna

Hallo, meine Knackenten!

Pünktlich vor Weihnachten noch ein kleiner Post in meinem Blog. Diesmal: die faszinierende Erlebniserzählung von einem Donnerstag auf so ziemlich jedem Amt in der schönen Stadt Salzburg.

Für mein Visum brauche ich natürlich alle möglichen Unterlagen, Dokumente und

Stempeleien, die angefangen bei der Geburt über die geistige Zurechnungsfähigkeit bis hin zur Pest- und Cholerafreiheit im Idealfall so ziemlich alles belegen sollten. Während der Dokumentensammelteil wahrscheinlich noch der einfachere wird – auf den Teil in dem wir schriftliche Statements von australischen Staatsbürgern vorweisen müssen, die jeden Verdacht auf eine Scheinehe zerstreuen sollen, auf den freu ich mich schon besonders – während auf jeden Fall die Dokumentebeschaffung kraft unseres Meldesystems verhältnismäßig easy ist, kommt man doch um diverse Amtswege nicht drum herum.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

(Obusfahrt in die Alpenstraße.) 

9.00 Uhr. Schauplatz Landespolizeidirektion Salzburg, Kassa.

Dame, die die Gebühr entgegennimmt: „Jö! Wir haben das gleiche Geburtsdatum!“
Kathi: „Auch 19. April?“
Dame: „Jo! Auch ein Widderlein!“
Die liebenswerte Dame geht daraufhin mit mir alle ihr bekannten Eigenschaften des Sternzeichens Widder durch und wir vergleichen eine Viertelstunde lang die Intensitäten mit denen die jeweiligen Eigenschaften im anderen auftreten mit den entsprechenden eigenen Erfahrungswerten.

9.15 Uhr. Immer noch Polizei, diesmal im Büro der Zuständigen für Strafregisterauszüge.

Die Dame hat erhebliche Probleme meinen Nachnamen richtig einzutippen. Ich muss ihn mehrmals für sie buchstabieren. Schließlich stellt sich der Erfolg ein. Die Dame dreht sich im Rollsessel zu ihrem Formularschrank und verreißt sich beim Griff nach dem richtigen Formular die Schulter. Mit schmerzerfülltem Gesicht druckt sie das gewünschte Dokument aus.

9.27 Uhr. Immer noch Polizei, wieder Büro für Strafregisterauszüge.

Leider brauche ich einen neuen Strafregisterauszug, da die Dame auf dem ersten unter „vorzulegen bei“ ungleich meinen Angaben Austrian Embassy Vienna statt Australian Embassy Vienna eingetragen hat. Ein Flüchtigkeitsfehler, den ich ihr allerdings erst noch zweimal erklären muss. Ich weiß auch nicht, warum es ausgerechnet in Österreich keine österreichische Botschaft gibt. Wurde wahrscheinlich irgendwann wegrationalisiert.

(Fußmarsch.)

9.40 – 9.50 Uhr. Digibild in der Alpenstraße.

Die sagen Passbilder sofort und meinen Passbilder sofort. Bislang die angenehmste Erfahrung des Tages, wenn man davon absieht, dass man auf Passfotos nicht lachen darf und ich gestellt ernst noch belämmerter ausschau als gestellt lachend.

(Obusfahrt.)

10.10 Uhr. Landesgericht Salzburg, Metalldetektor.

Sicherheitsbediensteter: „Uhren, Schmuck, Gürtel?“
Kathi: „Nein.“
Sicherheitsbediensteter: „Bitte durch die Drehtür kommen.“
Drehtür: „Piiiiiiiep.“
Kathi: „Aso, ups, Gürtel.“

10.19 Uhr. Landesgericht Salzburg, Foyer.

Sicherheitsbediensteter wühlt seit geraumer Zeit in meiner Handtasche. Ich überlege krampfhaft, was er finden könnte. Schließlich fördert er meinen Fieberblasenspray zutage, 15 ml.
Sicherheitsbediensteter: „Das muss ich leider hier behalten, bis Sie fertig sind.“
Kurz spiele ich mit dem Gedanken, ihm der Vollständigkeit halber auch mein Feuerzeug, Haarnadeln und meine Nagelfeile herauszusuchen.

10:50 Uhr. Landesgericht Salzburg, Wartesessel vor dem einzigen besetzten Beglaubigungsbüro. 

Seit ich Platz genommen habe, behalte ich die überkreuzten Beine der Person, die im Büro offensichtlich geschätzte 700 Urkunden beglaubigt zu bekommen scheint, aggressiv im mir durch die Milchglasabtrennung gestatteten Blickfeld. Endlich öffnet sich die Tür und die mir schon gut bekannten Beine treten heraus. Oben dran eine Dame mit Kaffeehäferl in der Hand. Sie arbeitet offensichtlich auch hier und braucht gar keine Urkunden. Leider hat man mir den Fieberblasenspray abgenommen. Ich trete ein.
Auf sowie am Tisch sitzt jeweils eine Dame. In Gruppenarbeit fertigen Sie mir Beglaubigungen für meine Geburtsurkunde und meine Heiratsurkunde an. Es geht sehr schnell, da eine druckt und die andere stempelt und unterschreibt.

(Obusfahrt. Einmal umsteigen.)

11.15 Uhr. Schloss Mirabell, Passamt.

Mit meinem nagelneuen, ernsten Passfoto eile ich zum Schloss Mirabell. Ich muss mir einen neuen Pass ausstellen lassen, da ich einen neuen Namen führe. Kostet eh nur so 80 Euro, also why not. Beim Eintreten fallen mir zum Glück gleich die zahlreichen knallgelben, laminierten Schilder auf, die die ehrwürdigen Mauern des ehemaligen Kindergartens Erzbischof Wolf Dietrichs zieren. Sie weisen mich darauf hin, dass ich erst am Ende des Ganges aus einer Maschine meine Nummer ziehen muss. Ich gehorche den Schildern und lasse die beiden besetzten Schalter hinter mir, Ordnung muss sein. Ich ziehe die Nummer 24. Sofort erschallt ein sirenenähnlicher Ton. Mein Blick fällt auf einen großen Flachbildschirm, auf dem meine Nummer steht und mich zu Schalter 3 bittet. Ich marschiere den Gang wieder hinauf und erreiche Schalter 3. Nachdem ich mehrmals meinen Nachnamen buchstabiert habe, muss ich meine Zeigefinger einscannen lassen.

Dame: „Und jetzt noch in diesem Kastl möglichst klein unterschreiben.“
Ich unterschreibe möglichst klein.
Dame: „Na servas, des is winzig! Eigentlich wollt i nur wenig Namen.“
Kathi: „Aso …“
Dame (locht meinen Pass mit einem großen Locher, räumt Locher weg): „Ah. Sie reisen in nächster Zeit eh ned, oder?“

Ich stehe mit meinem durchlöcherten alten Pass schon wieder draußen im Hof, da geht mir auf – offensichtlich meinte sie „möglichst kurz unterschreiben“.

Dann muss ich noch zur Post, Fußmarsch, um die frisch ausgestellten bzw. beglaubigten Dokumente an meine Übersetzerin zu schicken. Ganz Salzburg gibt zum selben Zeitpunkt ebenfalls in der Postfiliale Schrannengasse seine Weihnachtskarten an die Oma auf.
Der letzte Weg vor dem wohlverdienten Mittagessen im da Giacomo mit meinem Onkel, der das Glück hat, der obigen Erlebniserzählung als Erster lauschen zu dürfen, hole ich noch – Obusfahrt – meine Hochzeitsdankeskarten beim Flyeralarm.

Dann – Obusfahrt, zweimal umsteigen, eine liebe alte Dame und ein Betrunkener, das hebt sich auf – Punschstandl.

In diesem Sinne frohe Feiertage, werte Leserschaft! :)

Adieu, alter Freund!
Adieu, alter Freund!

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