Quod erat demonstrandum

Meine lieben Beutelratten!

(Gesehen? Ich übe schon das mit der Akkulturation!)

Leider ist seit dem letzten Post aus dem Wartezimmer des Eheasyldaseins sehr viel Zeit vergangen, was unter anderem damit zu tun hat, dass mich die Arbeitswelt für ein paar Monate aus dem mystischen etc. Waldviertel in die Realität zurückgeholt hat. Jetzt hab ich natürlich auch das soziale Experiment – mit 27 wieder zu seinen Eltern in die Waldheimat ziehen – frühzeitig abbrechen müssen. Hol ich vielleicht dann mit 37 nach, man stelle sich dieses Forschungsdesign einmal vor!

Nachdem ich am 24. April 2014 hochoffiziell per Post meinen dicken Stapel an Visumsunterlagen abgeschickt und mein Konto um einen gesalzenen Betrag erleichtert hatte, ereilte mich überraschend schnell per Mail von meinem sogenannten case officer (von dem wir bestimmt noch oft hören werden in dieser Geschichte) eine Eingangsbestätigung des Antrags, eine Immigrationsidentifikationsnummer, sowie meine sogenannte HAP-ID, meine Gesundheitsidentifikationsnummer. Wer sich gerade fragt, was bei solchen Visumsunterlagen alles dabei zu sein hat, der spitzt jetzt die Beutelrattenohren!

Erstens einmal beinhaltet ein Visumsantrag natürlich einige zigseitige Formulare, beim Ausfüllen derer kein schauriges Detail meines beruflichen, sozialen und persönlichen Werdeganges ausgelassen werden durfte. Beispielsweise musste ich jedes Dienstverhältnis seit meiner Geburt angeben, auch wenn ich einmal arbeitslos war, sprich auch dokumentieren, wie ich mich etwa im schönen Jahre 1987 finanziell über Wasser gehalten habe.*

Weiters inkludiert habe ich diverse Dokumente, die Sponsus‘ und mein Zusammenleben beweisen sollen, also Meldezettel, Mietverträge, Stromrechnungen. Zum Glück bin ich ein Horter, Hamsterer und Aufheber, hab ich von der Purgstalloma.

Außerdem verlangt wurden je ein Statement von mir und ihm betreffend unsere unsterbliche Liebe, wann, wie, wo und warum wir uns kennen gelernt haben und wie wir so im Alltag leben. Ich habe hierfür 6 satte A4 Seiten auf dem Computer gefüllt, Calibri 11, einfacher Zeilenabstand. Er eine.

In weiterer Folge habe ich Fotos, Beweise für gemeinsame Reisen und andere Abenteuer, Beschreibungen unserer Lebenssituation, wer was im Haushalt macht, einige liebevolle Zeilen über unsere gemeinsamen Haustiere (tot und lebendig), an uns beide adressierte Briefe, Einladungen und Postkarten, ausgedruckte E-Mails und Facebook-, sowie schriftliche Skypekonversationen und mehrere eidesstattliche Erklärungen von uns nahestehenden Personen bezüglich der Existenz einer legalen, ernstgemeinten, langwährenden Beziehung zwischen uns hinzugefügt. Wer jetzt den Sponsus kennt, der kann sich sicher vorstellen, wie schwierig es ist, Beispiele für halbwegs normale Unterhaltungen mit diesem Menschen zu finden, welche, bei deren Lektüre es den Herrschaften der Immigrationsbehörde nicht schlagartig die Schamesröte ins Gesicht treibt, während sie fieberhaft nach dem großen Stempel mit dem Schriftzug ENTSCHIEDEN ABGELEHNT, SIE VERRÜCKTER und dem roten Stempelkissen kramen!

Ich kann trotz der teilweisen Skurrilitäten die Notwendigkeit beinahe aller dieser Dokumente und Formulare nachvollziehen. Wir leben nun eben einmal nicht mehr in einer Welt, in der es ausreicht, irgendwo ein Pferd zu stehlen und schon finanzieren die einem einen One-Way-Trip nach Australien, komplett mit australischer Staatsbürgerschaft und, wenn man es gscheit anstellt, Gratispferd. Nur bei der Gesundheitsuntersuchung wähnte ich mich dann schon ab und an ein bissl im falschen Film. Aber davon mehr im nächsten Post! Eine schöne Woche, allerseits!

*Ich gebe zu, ist eh schon verjährt: Schwarzmarkthandel mit Muttermilch und Biskotten.

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