Einmal Perspektive, scharf mit alles …

Die gute Nachricht zuerst, liebe knackentige Leserschaft: mein Sponsus*, fürderhin so bezeichnet, hat einen guten Job gefunden!

Jetzt kommt doch hoffentlich Bewegung rein – auch wenn ich diesen Ausdruck (ganz anders als die ÖBB, denen unter anderem die Selbstironie dazu fehlt) mit gewisser Vorsicht verwenden möchte. Man weiß ja nie.

In den letzten Tagen habe ich mich wieder mit einem Thema befasst, das mir immer wieder taugt. (Jetzt ernsthaft.) Und zwar das der Perspektivenbeschaffung, im konkreten Fall sogar in vielerlei Hinsicht.

Sobald mir klar geworden war, dass wir dank Sponsus‘ Job mit dem Visumsantrag weitermachen können würden, war ich natürlich schon wieder drei Schritte weiter. Beispielsweise bei der Überlegung, wie der zukünftige autarke, ökologisch nachhaltige Biogemüsegarten meiner Träume die fatale Kombination aus mein grüner Daumen plus australische Wasserrestriktionsstufe 4 von 4 durchstehen könnte. Auch der Innenausstattung unserer zukünftigen Wohnung habe ich mich umsichtigerweise gleich gewidmet. In Australien gibts da ja allerhand Möglichkeiten, die sie allem Anschein nach von uns Europäern abgeschaut haben. Wie etwa eine sogenannte „European laundry“.

Noch nie davon gehört?

Ich auch nicht. Anscheinend berechtigt so eine European laundry aber einen Vermieter zu einer gscheiten Mieterhöhung. Gemeint ist übrigens, soweit ich die Suchmaschine meines Vertrauens hier richtig verstehe, dass die Waschmaschine und der Trockner in die Küche integriert sind. Traum jeder Frau, oder? Im Ernst jetzt, ich muss doch wirklich nicht, während eh schon die Spaghetti mit Ketchup anbrennen, noch über die ungewaschenen Socken der letzten drei Wochen stolpern und dabei mein Glas Rotwein verschütten.

Gewonnene Perspektive: auch über mich und das Land aus dem ich komme (Europa, nämlich) gibt es viele Vorurteile und schiefe Einschätzungen.

Bleiben wir gleich bei Europa. Ein Teil meines Visumsantrags verlangt von mir die Auflistung, mit Einreise- und Ausreisedatum, wenn nötig mehrfach, jedes einzelnen Landes abgesehen von meinem Heimatland, in dem ich mich in den letzten 10 Jahren weniger als 12 Monate lang aufgehalten habe und den Grund für den Aufenthalt.

Man lasse sich das als europäischer Staatsbürger, als Kunde vom Globus in Freilassing mit Wohnsitz in Salzburg, einmal auf der Zunge zergehen. In den letzten 10 Jahren war ich mehrmals, jetzt mal von den größeren Reisen ganz abgesehen, gach meinen guten Mascara kaufen in Deutschland, schnell auf einen Kaffee in Ungarn, gschwind in Italien ein Eis essen. Und die fragen mich nach Einreise und Ausreise und geben mir noch dazu nur 10 Zeilen Platz für meine Ausführungen?

Gewonnene Perspektive ist jetzt nicht, dass die Australier begrenzt denken, im Gegenteil, die müssen mich das ja wohl oder übel fragen und das mit den Landgrenzen ist bei denen halt so eine Geschichte. Nein, vielmehr ist es meiner bescheidenen Meinung nach genial, wie privilegiert wir hinsichtlich dessen in Europa sind und ich finde es dumm, wenn man das entweder nicht sehen kann, oder meint, stattdessen dauernd das Negative in den Vordergrund kehren zu müssen.

Und welche weitere Perspektive habe ich noch erlangt bzw. welche hat sich weiter gefestigt? Kurz hab ich vorhin durch die Finger meiner Hand, die ich mir schützend vor die Augen gehalten habe, auf die entsprechenden Homepages geschielt, da wurde mir klar, dass so um die 18.000 AUD pro Jahr an Studiengebühren für mich anfallen würden, wenn ich, rein hypothetisch, in der Zukunft in Melbourne einen weiteren Master oder gar meinen Doktor machen möchte. Und das setzt voraus, dass ich eine permanente Aufenthaltsgenehmigung bekomme. Aber da hol ich jetzt den Rechenschieber erst gar nicht raus und spar mir auch die bösartigen Vergleiche. :)

So und ich durchforste jetzt mal so probehalber die Jobwebsites in dem Land, von dem ich noch gar nicht weiß, ob ich überhaupt einwandern darf. Dann kann ich mir schon mal ein bisschen ein Bild machen vom Jobmarkt.

Sonst heirat ich halt reich, na!

 Achso … too late. :D
*Für die glücklichen etymologischen Nackerpatzerl ein Exkurs:
Latein sponsus, -i (m), Gatte, Ehemann … von Latein spondeo: schwören, versprechen, zusichern. Folglich Englisch spouse, der Ehegatte. Spanisch esposo, Ehemann. Spanisch esposa, Ehefrau … Spanisch esposas, die Handschellen. MIND BLOWN. Moment, nein, ich schweife ab.

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